Heut schrieb ich die Seiten vergebens, heute verstand man mich nicht taub, stumm, blind. Heute war ein Tag, an dem ein Stück Leben starb. Heute
hab ich euch nichts zu erzählen, außer meinem Leid. Heute will ich euch auf die Nerven gehen. Heute bedeutet viel und wenig. Heute möcht ich vergessen. Heute möcht ich rückgängig machen. Heute
war der Tag, einer jener Tage, wo man auf die unbehütete Tatsache stößt, dass etwas nicht so läuft, wie man es sich wünscht, dass etwas noch viel mehr so läuft, wie man es nicht gern hätte, dass
etwas passiert, das kommen musste und auch gut ist das es passiert, obwohl es einem Steinen in den Rücken schraubt. Heute war mein Schreiben vergebens. Heute ist der Löwe aus Karten in sich
zusammen gefallen. Heute verlor er seine Gefährlichkeit und seinen Biss. Heute langt nicht mehr, um zu vergessen. Heute haben die Geschäfte schon zu, dass es zu spät ist, sich zu betrinken und
alles wegzuspülen, all den Schmutz und die Gefühle, all den Ballast den die Verliebtheit mit sich bringt. Heute erfuhr ich, dass Verliebt-Sein, wie Schnupfen ist. Heute wurde jemand kuriert.
Heute wünschte ich ihr eine Lungenentzündung. Heute zerriss es mich kalt auf meiner Brust. Heute setzte ich mich in die Dusche und ich lauschte dem Dröhnen meiner Stimme in der engen Kabine,
während das Wasser heiss auf meinen Kopf regnete. Heute genoss ich es. Heute wusste ich es nicht besser. Gestern auch nicht.
Wenn doch die Endlichkeit nicht so lang wär, ich würds verstehen, ich würd mich ihr annehmen und sagen, dass ich sie liebe. Doch die Endlichkeit ist boshaft, lacht mich aus und straft mich,
straft mich eben damit, dass sie noch lang sein will, während ich mich doch nur ausruhen möchte, während mir nur die Angst ins Gesichte geschrieben steht. Tausend Sachen könnte ich jetzt treiben,
die weitaus besser für mich wären, als wirren Zeilen zu füllen. Meinen Kopf benebeln, damit ich lachen kann, meine Sinne trüben, damit die Scharfenkonture und Kanten verloren gehen. Mogel ich
mich da durchs Leben?
Noch viel bedeutungsschwerere Worte sollten mir über die Lippen laufen, wenn ich in der Flut der Angst davonschwämme. Und doch passiert nichts und doch bleibt alles beim Alten und ich sehe
machtlos zu, wie alles geschieht. Weil ich es komme sehe? Weil man es nicht verhindern kann? Ich würde alles liegen lassen und es wär egal. Jemand hebt es schon auf, jemand kümmert sich schon
drum. Und wenn nicht? Seis drum. Dann schert es mich auch nicht, wenn es niemanden schert. Eine Logik ums Verderben.
Morgen muss ich zur Arbeit. Morgen wird die Sonne scheinen. Morgen wird es schneien. Morgen singen mir die Vögel ein Lied, wenn ich erwache. Morgen wird der Tag sein, an dem ich Glück erfahren.
Morgen kann ich mir vorstellen, wie alles gut wird. Morgen werden meine Sorgen weniger sein. Morgen hör ich die Zähne klappern. Übermorgen komm ich nachhaus.


